Auf dem Campus von Yale steht eine Statue von Nathan Hale.

Hale studierte in Yale, wurde Lehrer, trat im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg in die Armee ein und meldete sich 1776 freiwillig für eine Spionagemission. Besonders erfolgreich verlief sie nicht. Er wurde von den Briten entdeckt und am 22. September gehängt. Er war 21 Jahre alt.

Heute gilt Hale als einer der ersten amerikanischen Spione. Vor allem erinnert man sich an seine angeblich letzten Worte: „I only regret that I have but one life to lose for my country.“

Ob er sie exakt so gesagt hat, ist nicht sicher. Für einen Nationalhelden sind sie allerdings sehr gut geeignet.

Unser studentischer Führer zeigte uns die Statue neben Connecticut Hall, wo Hale einmal gewohnt hatte. Er erzählte außerdem, für das Gesicht habe der Bildhauer den bestaussehenden Studenten des damaligen Jahrgangs von Yale als Modell genommen. Das ist wahrscheinlich eine Campuslegende.

Gesichert ist: Von Nathan Hale existiert kein bekanntes Porträt. Der Bildhauer Bela Lyon Pratt musste sich also behelfen. Die Statue ist jedenfalls idealisiert genug, um das Gerücht am Leben zu halten. Hale steht dort mit gefesselten Händen und Füßen, aufrecht und entschlossen, unmittelbar vor seiner Hinrichtung. Die Statue wurde 1914 aufgestellt – fast 140 Jahre nach seinem Tod.

Damit könnte die Geschichte enden. Tut sie aber nicht.

Vor dem Hauptgebäude der CIA in Langley steht eine Kopie derselben Statue. Sie wurde 1973 aufgestellt und erinnert die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Darstellung der CIA an die Pflichten und Opfer eines Geheimdienstoffiziers.

Der größte Nachrichtendienst der Welt ehrt also einen Mann, dessen erste Spionagemission sehr schnell mit seiner Festnahme und Hinrichtung endete. Und zwar mit der Kopie einer Statue, deren Gesicht mangels Porträt vermutlich einem anderen jungen Mann gehört.

Auch das ist noch nicht die ganze Geschichte. CIA-Mitarbeiter legen vor Auslandseinsätzen Münzen am Fuß der Statue ab. Das soll Glück bringen und dafür sorgen, dass Nathan Hale über sie wacht.

Man könnte nun fragen, ob ausgerechnet Nathan Hale dafür die beste Wahl ist. Man könnte aber auch einfach eine Münze hinlegen. Sicher ist sicher.